Kinder Osteopathie


Dieser Text soll Indikationen und Wirkungsweise der Osteopathie bei Kindern und Schwangeren erklären. Ich weise auch auf Komplikationen hin, die in dieser Phase auftreten können. Meine Absicht hier ist es nicht, (werdende) Eltern zu verunsichern. Entscheiden Sie also bitte selbst, ob diese Informationen im Moment richtig für
Sie sind.

Bei einer ungestörten Entwicklung wird die Lebenskraft von alleine dafür sorgen, dass
Mutter und Kind diese so wichtige Phase glücklich erleben können und das Wunder
des Lebens in vollen Zügen genießen!

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Aber hören Sie sich doch zuerst mal dieses Interview an zu den Themen: Indikationen der Kinderosteopathie, Trauma im Mutterleib, mögliche Folgen der Geburt, die Rolle der Eltern.


Der kindliche Schädel ist sehr leicht formbar und verformbar. Bei der Geburt schieben sich die Schädelplatten übereinander. Dieser Vorgang muss sich innerhalb der ersten Wochen nach der Geburt wieder zurückbilden. Geschieht dies nicht, oder nur unvollständig, ist die Entwicklung des Craniosacralen Systems und damit auch des Gehirns nur durch kompen-
satorische Muster möglich. Diese Kompensationsmuster sind Einschränkungen in der Flexibilität des kindlichen Organismus, dem freien Ausdruck der Lebenskraft, und sollten osteopathisch untersucht und gegebenenfalls behandelt werden, da die Symptome solcher Einschränkungen oft erst viel später auftreten. Sprachfehler zum Beispiel zeigen sich auch erst zu dem Zeitpunkt, wo das Kind beginnt zu sprechen, die Ursache kann jedoch in einem Geburtstrauma liegen.

Wichtige Hirnnerven können durch die einwirkenden Kräfte vor und während der Geburt
in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. So kann zum Beispiel die Augenbewegung gestört sein (Schielen), der gesamte Verdauungstrakt (3-Monats-Koliken, Spuckkinder), die Stellung des Kopfes (Schiefhals), ferner auch die Bewegung der Wirbelsäule (Skoliose)
und der Zunge (Saugen, Sprechen). Die Folge ist, dass sich das Kind nicht so entwickeln kann, wie es gerne möchte. Auch Schwerhörigkeit, Schluckstörungen und Unruhezustände können so begründet sein.

Eine Verengung des verlängerten Rückenmarks am Hinterhaupt ist häufig die Ursache dafür, dass Kinder sehr unruhig sind, viel schreien und schlecht schlafen (Schreikinder). Auch die so genannten „Floppy Babys“ weisen in diesem Bereich eine Störung auf. Der Körper des Kindes wirkt dann ganz schlaff. Umgekehrt kann es aber auch zu Spastiken kommen. Ein durch Druck komprimierter vorderer Anteil des Hirnschädels ist häufig die Ursache bei Kindern mit Verhaltensstörungen.

Bei Atemproblemen, Sinusitis und Asthma ist zum Beispiel das Siebbein häufig betroffen.

Die Osteopathische Kinderbehandlung bezieht natürlich auch die Wirbelsäule und das Becken, sowie die Schlüsselbeine mit ein. Um eine bestmögliche Gesundheit im Körper
des Kindes zu erreichen, müssen alle Anteile im Gleichgewicht sein, also auch die Rippen, die inneren Organe, das Zwerchfell usw.

Störungen des kindlichen Schädels, welche perinatal entstanden sind, können leider auch eine Beeinträchtigung der Hirnentwicklung nach sich ziehen, die dann zu Entwicklungs-störungen oder -verzögerungen, bis hin zu massiven Behinderungen des Kindes führen. Hiermit möchte ich den Eltern keine Angst machen, halte es jedoch für wichtig, darauf hinzuweisen. Auch Zwillinge können um Platz und Nahrung konkurrieren. Dabei geht es dem einen meist besser als dem anderen.

Ich schlage vor , das Kind möglichst bald nach der Geburt, auch wenn es keine Symptome zeigt, in eine Kinder Osteopathie Sprechstunde zu bringen, da der entsprechend ausgebildete Osteopath diese Beeinträchtigungen erkennen kann, noch lange bevor hieraus leichte oder auch schwere Symptomatiken entstehen.


Optimal ist es, wenn schon die schwangere Mutter ab und an osteopathisch behandelt wird, um sicherzustellen, dass der Embryo bzw. Fötus die richtige Lage im Becken der Frau gefunden hat. Auch Stressabbau, sowie die Gewährleistung der optimalen Versorgung des Kindes sind bewährte Wirkungsweisen der Kinderosteopathie, bzw. der Behandlung von Schwangeren. Wenn Mutter und Kind schon in diesem Stadium ihre Mitte finden, entsteht eine tiefe Bindung in der Stille. Besonders wichtig wird dies, wenn die Mutter vor oder während der Schwangerschaft ein Trauma oder eine als stark empfundene Belastung erlebt.

Ein wichtiger Aspekt, den ich an dieser Stelle auch erwähnen möchte ist, dass seit einigen Jahrzehnten viele Mütter bei der Geburt praktisch entmündigt werden. So kommt es, dass sie die Geburt nicht mehr als einen großartigen und mystischen Vorgang des Lebens und der Natur erfahren können, sondern Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein und Überforderung empfinden. Der biologische Prozess der Mutter-Kind-Bindung kann empfindlich gestört werden. Dadurch werden die Mutter und vor allem auch das Kind stark verunsichert.

Ein Geburtstrauma resultiert also nicht immer unbedingt aus einer objektiv dramatischen Geburt - und es kann sowohl das Kind wie auch die Mutter betreffen.

Neben der osteopathischen Behandlung ist es also ungemein wichtig, auch darauf zu achten, ob vergangene und gegenwärtige Belastungen das Mutter- Kind-Verhältnis stören und diese zu lösen.

Glücklicherweise "weiß" der Körper der Mutter und der Körper des Kindes, wie dies zu geschehen hat.



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Eine einfühlsame Baby-Behandlung mit Craniosacraler Osteopathie
Kinder machen bis ins Erwachsenenalter hin verschiedene Entwicklungsphasen und auch Wachstumsschübe durch. In diesen Phasen sollte man besonders aufmerksam sein, ob das Kind Unterstützung durch einen Osteopathen benötigt.

Besonders auffällig wird dies, wenn die Kinder in frühere Entwicklungsstufen zurückfallen oder verhaltensauffällig werden. Dies kann aggressives oder auch depressives Verhalten sein, Unruhezustände, Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, nächtliches Einnässen, Sprachfehler, Einschränkungen der Motorik, Essstörungen, Fehl-
sichtigkeit, häufiges Kranksein, Unwohlsein, soziale Probleme, schwaches Selbstwert-
gefühl, Mobbing.

Auch medizinisch notwendige Behandlungen (wie zum Beispiel Operationen) sollten von einem Osteopathen mit begleitet werden, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, die Regeneration zu verkürzen und den ganzen Prozess zu erleichtern.

Familiäre Probleme, Gewalt, Missbrauch, Verlust und Vernachlässigung, auch die weniger stark ausgeprägten Formen, werden das Kind vor eine große Aufgabe stellen, welche sich ohne Hilfe vielleicht nicht lösen lässt. Kinder haben ein Recht darauf, die Hilfe zu bekommen, die sie benötigen, um sich zu entfalten. Deshalb gibt es Kinder Osteopathie.


Hier noch ein kleiner Hinweis:
Wenn Sie als Mutter oder Vater mit ihrem Kind einen Osteopathen aufsuchen, sollten Sie dabei darauf achten, dass sich sowohl Ihr Kind als auch Sie selbst dabei gut fühlen. Die osteopathischen Vorgehensweisen sollten sanft und wohl dosiert sein, und weder das Kind, noch Sie selbst überfordern. Eine solche Behandlung wirkt nach, und das Kind sollte im Anschluss daran eine positive Entwicklung durchmachen. Ist dies nicht der Fall, scheuen Sie sich bitte nicht, die Behandlung abzubrechen und einen anderen Behandler aufzusuchen.

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